Knappe Kassen und große Aufgaben bei sozialer Infrastruktur Magdeburgs
Die Paritätische Regionalstelle Mitte-West und freie Träger der Kreisgruppe Magdeburg im Gespräch mit dem Sozialbeigeordneten Dr. Ingo Gottschalk über die Zukunft der sozialen Angebote in der Landeshauptstadt.
Der Paritätische im Dialog mit Dr. Ingo Gottschalk, Magdeburgs Beigeordnetem für Soziales, Jugend und Gesundheit
Magdeburgs soziale Infrastruktur in Zeiten knapper Kassen zukunftssicher aufstellen
Die Paritätische Regionalstelle Mitte-West lud die Mitglieder der Kreisgruppe Magdeburg am 8. Juli zu einer Gesprächsrunde mit Dr. Ingo Gottschalk ein. Der Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, der seit dem 22. Juni 2023 im Amt ist, zog eine Zwischenbilanz seiner bisherigen Arbeit. Zentrale Schwerpunkte bei seinem Amtsantritt waren:
- Datengestützte Optimierung der Unterstützungsangebote
- Beschleunigungsverfahren für integrative Kita-Plätze
- Abbau von Bürokratie
- Zukunftssichere Aufstellung der sozialen Infrastruktur
Insbesondere der letzte Punkt wurde in der Runde intensiv hinterfragt.
Mit Blick auf die Hilfen zur Erziehung (HzE) verwies Dr. Gottschalk auf die immensen Kostenzuwächse in diesem Bereich. Als Reaktion darauf entstehen derzeit eine neue Clearingstelle sowie ein Kinderschutzzentrum. Eine besondere Herausforderung stelle hierbei jedoch die Suche nach passendem Fachpersonal dar.
Die Kita- und Jugendhilfeplanungen für Magdeburg stehen bereits in den Startlöchern und sollen gemeinsam mit den Trägern umgesetzt werden. Dr. Gottschalk betonte, dass gerade bei der Gestaltung sozialräumlicher Konzepte eine hohe Flexibilität der freien Träger erforderlich sei. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund von rund 1.600 freien Kita-Plätzen in der Landeshauptstadt. Die logische Konsequenz daraus ist, dass langfristig nicht alle Kita-Standorte erhalten bleiben können. Landesprojekte wie „Kita STABIL“ und die Demografiepauschale seien hierbei lediglich Übergangslösungen. Sie helfen zwar vorübergehend, lösen jedoch das grundlegende Problem der rückläufigen Kinderzahlen in den Kindertagesstätten nicht.
Angesprochen auf die offene Altenhilfe betonte Dr. Gottschalk, dass diese in Magdeburg fest verortet und ein unverzichtbares Angebot sei, das sich kontinuierlich bedarfsorientiert weiterentwickeln müsse.
Im Bereich der Armutsprävention wird die Stadt Magdeburg Ende 2026 eine umfassende Bedarfsanalyse vornehmen. Diese umfasst die Erhebung der konkreten Bedarfe sowie der Aufenthaltsorte von Menschen in schwierigen Lebenslagen, die von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind. Ein Hitze- und Kälteschutzkonzept für diese Zielgruppe existiert bereits.
Mit Blick auf die kommenden Herausforderungen für sein Dezernat nannte der Beigeordnete drei wesentliche Kernpunkte, die gemeinsam angegangen werden müssen:
- Die Armutsprävention im Stadtgebiet
- Die Fachkräftegewinnung sowie das Halten von Personal (insbesondere mit Blick auf die Schulsozialarbeit und die sich verändernde Kita-Landschaft)
- Die Flexibilität der Träger bei der Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur
Eine hervorragende Grundlage für die Bewältigung dieser Aufgaben bilde laut Dr. Gottschalk die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den freien Trägern.
Die Diskussionsrunde wurde von Rolf Hanselmann, dem Leiter der Regionalstelle Mitte-West, moderiert.




