Den ganzen Tag Schule?
Perspektiven zur Umsetzung der Ganztagsförderung
Ab 2026 gilt der bundesweite Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Schulkinder. In Sachsen-Anhalt ist dies heute schon Realität – auch durch die hochwertige Arbeit von Horten in Freier Trägerschaft. Doch welche Zukunft haben diese?
Alle Erstklässler haben ab 2026 einen Anspruch auf acht Stunden Ganztagstagsförderung, welche dann Jahr für Jahr ausgebaut werden soll. In Sachsen-Anhalt gibt es das schon längst – hauptsächlich durch ein gut entwickeltes System von Horten in freier und öffentlicher Trägerschaft. Der Anspruch geht hierzulande sogar noch weiter: sechs Stunden über den Unterricht hinaus, also bspw. auch mit Angeboten für Frühhort, oder bis spät in den Nachmittag, wenn die Eltern lange Wege pendeln müssen.
Doch was geschieht mit den Horten dann ab 2026? Darauf gibt es noch keine klare Antwort der Landesregierung. So wird auch die Überführung der Erzieher*innen und damit der Horte in Schulträgerschaft diskutiert. Dabei leisten diese wichtige sozialpädagogische Arbeit zur Entwicklung großer Kinder hin zu eigenständigen, selbstwirksamen Menschen.
Um diese Qualitäten der vorhandenen Leistungen sichtbar zu machen, hat die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Frühjahr 2024 zu einer Hort-Tour eingeladen. Dazu werden Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung verschiedener Ebenen eingeladen, Einrichtungen und deren Arbeit kennenzulernen. Am 14.02.2024 war die LIGA Hort-Tour in der Kita Purzelbaum zu Gast, welcher Teil der Freien Schule Altmark e.V. in Depekolk/Salzwedel ist.
Politische Vertreter*innen von Landes- und Kommunalebene, Landrat und Bürgermeister waren zu Gast und konnten die bunte Welt der ursprünglichen Elterninitative kennenlernen. Mit Krippe, Kindergarten, Hort und Schule unter einem Dach schaffen Erzieher*innen und Lehrer*innen gemeinsam mit einer aktiven Elternschaft ein “Haus des Kindes”, in dem die ganzheitliche Entwicklung von Kindern vom ersten Lebensjahr bis zur vierten Klasse im Mittelpunkt steht. Nicht nur die Pädagog*innen arbeiten dabei Hand in Hand, sondern auch den Kindern wird frühzeitig Verantwortung und demokratisches Miteinander vermittelt. Doch das übergreifende Miteinander ist zwischen Schule und Kita nicht immer einfach – genauso wenig wie bei zwischen den Kindern. Spätestens wenn bei der Abrechnung Schulbehörden und Jugendamt gemeinsam finanzieren sollen, treten die ersten Herausforderungen auf.
Steve Kanitz, Landrat des Altmarkkreis Salzwedel, und Olaf Meining, Bürgermeister Hansestadt Salzwedel, waren sich darin einig, dass die vorhandene Trägervielfalt vor Ort erhalten bleibe müsste. Verschiedene Familien benötige verschiedene Angebote – eine Gleichmacherei würde dem nicht gerecht werden. Gerade auch die Freie Schule Altmark in Depekolk war für viele neu zugezogene Eltern ein wahrer Magnet um am Ende in die Altmark zu ziehen.
In der Diskussion wurde deutlich das aktuell sehr viele Fragezeichen im Raum stehen, wie es mit der Ganztagsförderung in Sachsen-Anhalt weitergehen wird. Bleibt alles wie es ist? Wird sich alles ändern? Oder wird es am Ende ein Flickenteppich, der die gleichwertigen Lebensverhältnisse im Land in Frage stellt? Einig waren sich alle Teilnehmenden darin, dass Vertreter*innen aus der Praxis, aber auch von vor Ort bei den politischen Entscheidungen auf Landesebene stärker einbezogen werden sollen. Den vor Ort, in den Kommunen, leben die Familien. Hier braucht es ausreichend Freiraum, um die besten Lösungen zu finden.




