Erste Selbsthilfe-App für Sachsen-Anhalt geht an den Start

Regionalstelle Mitte-West Regionalstelle Mitte-Ost Regionalstelle Süd

05.12.2018

Mehr als 600 im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Selbsthilfegruppen sind ab sofort erstmals gebündelt an einem virtuellen Ort zu finden.

©paritaet-lsa
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Möglich macht das eine im Auftrag der Paritätischen Selbsthilfekontaktstelle Halle-Saalekreis mit finanzieller Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) entwickelte neue App. Diese Applikation für Smartphone und Tablets mit dem Namen "Selbsthilfe Sachsen-Anhalt Süd" umfasst neben Halle (Saale) auch die Regionen Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Landkreis Harz, Mansfeld-Südharz, Saalekreis sowie Salzlandkreis.
Die App ist ein Novum für Sachsen-Anhalt und steht kostenlos zum Download für die gängigen Betriebssysteme Android und iOS zur Verfügung. Ähnliches gibt es bislang bundesweit nur für die Regionen Brandenburg, Potsdam und die Lausitz. In Planung sind weitere entsprechende Anwendungen sowohl für das nördliche Sachsen-Anhalt, als auch für Bayern, Berlin und Schleswig-Holstein.

Ziel der neuen App ist es nicht nur, über ein simpel aufgebautes Menü Selbsthilfeangebote in regionaler Nähe zu finden, sondern auch Wissenswertes über verschiedene Krankheitsbilder, Veranstaltungen und Neuigkeiten zu erlangen. So finden Nutzer beispielsweise Hinweise zur Bewältigung von Krankheiten von A wie ADHS bis Z wie Zöliakie und Hinweise auf Termine der Selbsthilfegruppen. Zudem sind allgemeine Informationen, Audiobeiträge und Videos zum Thema Selbsthilfe und Podcasts des regional sendenden Selbsthilferadios HELP.FM über die App abrufbar. Ein in die App integrierter Kontaktbutton macht die Gesprächsaufnahme (per E-Mail oder Telefon) zur nahegelegenen Selbsthilfekontaktstelle einfach.

Die App soll jedoch kein starres Gebilde sein, sondern vielmehr von den Ideen und Aktionen der Anwender leben. Benutzer sind deshalb ausdrücklich eingeladen, sich zum Beispiel durch selbst produzierte Video- und Audiobeiträge aktiv an der weiteren Gestaltung der App zu beteiligen.

Um sowohl jüngere als auch ältere Nutzer mit der App anzusprechen, sollen Mitglieder von Selbsthilfegruppen in Workshops mit der App und der Erstellung von medialen Inhalten vertraut gemacht werden, um dann später wiederum als Multiplikatoren zu fungieren.

Statements:

"Wenngleich persönliche Begegnungen und der persönliche Austausch in der Selbsthilfe weiterhin eine zentrale Rolle spielen, erlangen digitale gesundheitsbezogene Informations- und Kommunikationsformen zunehmend an Bedeutung. Mithilfe der neuen Selbsthilfe-App können Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen einfach und schnell hilfreiche Informationen zur Selbsthilfe in der Region erhalten. Die App eröffnet damit neugierigen älteren und jüngeren Menschen einen weiteren zeitgemäßen Weg, sich mit einfachsten Mitteln dem Thema Selbsthilfe zu widmen und selbstbestimmt ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen."

Dr. Peter Piechotta, Der Paritätische Sachsen-Anhalt, Leiter der Regionalstelle Süd

"Es ist begrüßenswert, dass mit der neuen App insbesondere jüngere Betroffene und deren Angehörige auf neuen Zugangswegen erreicht werden können. Daher haben wir die Entwicklung der App mit rund 12.500 Euro gern unterstützt. Insgesamt stellt die TK allein in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr 136.000 Euro für die Selbsthilfeförderung zur Verfügung. Das ist so viel wie nie zuvor."
Jens Hennicke, Techniker Krankenkasse, Leiter der Landesvertretung Sachsen-Anhalt


"Diese regionale App ist der zeitgemäße, niedrigschwellige Zugang zur Selbsthilfe 2.0 für jede Altersgruppe. Neben Informationen bietet sie vor allem viele Möglichkeiten zur Interaktion, wie Video, Audio und Radio. Zudem schafft sie per Knopfdruck Verbindungen zu den identisch aufgebauten Apps im Netzwerk. Zu diesem Netzwerk gehören bislang neben Sachsen-Anhalt auch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Ziel ist es, das gesamte Land mit solchen regionalen Apps zu vernetzen. Dies ist ein neuer Weg in eine bislang ungekannte Vielfalt im täglichen Umgang mit der Selbsthilfe".

Uwe Große-Wortmann, Inhaber der Media-Foundation und App-Entwickler

Hintergrund:

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) sind bereits zehn Prozent der 18- bis 29-Jährigen chronisch krank. Bei den 30- bis 39-Jährigen ist der Anteil sogar doppelt so hoch. Insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, psychische Störungen und Diabetes mellitus sind weit verbreitet und beeinflussen Lebensqualität sowie Arbeitsfähigkeit.

Für chronisch kranke oder behinderte Menschen beziehungsweise ihre Familie oder Freunde ist es häufig schwierig, die passende Selbsthilfe zu finden. Viele Selbsthilfegruppen sind im Netz schwer auffindbar und mit spärlichen Informationen ausgestattet. Zudem sind insbesondere jüngere Menschen über herkömmliche Selbsthilfeangebote nur schwierig zu erreichen.