Inklusion braucht Haltung und Ressourcen

07.05.2018

Anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stellt die Aktion Mensch die diesjährigen Aktionen unter das Motto „Inklusion von Anfang an“. Am 2. Mai füllten deshalb 55 Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigung das Gröninger Bad in Magdeburg mit gelebter Inklusion.

©paritaet-lsa
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Anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stellt die Aktion Mensch die diesjährigen Aktionen unter das Motto „Inklusion von Anfang an“. Am 2. Mai füllten deshalb 55 Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigung das Gröninger Bad in Magdeburg mit gelebter Inklusion.

Für die 4. und 5. Klässler*innen der Kükelhaus Schule, der Grundschule Salbke und der Grundschule Westerhüsen stand das gemeinsame Musizieren, Basteln und Fotografieren am Aktionstag im Vordergrund. Welche Töne lassen sich einem Plasterohr entlocken, wie fühlt man sich als Popstar auf der Bühne und wie lassen sich Instrumente aus alltäglichen Gegenständen herstellen? All das lässt sich am besten gemeinsam entdecken. Das engagierte Team des Musik- und Medienzentrums für junge Leute Gröninger Bad aus Medien- und Musikpädagog*innen, sowie Sozialarbeiter*innen und Techniker*innen stellte gemeinsam mit den Kindern zum Abschluss des Tages eine TV-Show auf die Beine, wie sie im Frühstücksfernsehen hätte laufen können, an der sich alle Kinder mit den Ergebnissen ihrer Workshops beteiligten.

Parallel dazu fand eine Gesprächsrunde statt, in der sich Politiker*innen, Behördenvertreter*innen, betroffene Eltern und in der Beschulung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung tätige Lehrer*innen und Schulleiter*innen darüber austauschten, wie Inklusion gelingen kann und mit welchen Problemen sich die Einrichtungen konfrontiert sehen. Die integrativen KITAs machen es vor – Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gehen gemeinsam in die Einrichtung und lernen voneinander. Der Übergang in die Schule gestaltet sich hingegen oft schwierig. Soll ein Kind mit Beeinträchtigung nicht an einer Förderschule, sondern an einer Regelschule unterrichtet werden, braucht es gut ausgestattete, barrierefreie Schulgebäude sowie zusätzliche Förderlehrer*innen, pädagogische Mitarbeiter*innen und ggf. auch medizinisches Personal.

Es gibt viele gute Beispiele, wo gemeinsames Lernen in der Praxis bereits gelingt. Ein Schulleiter berichtete von kleinen Lösungen, wie z.B. die Verlegung des Musikunterrichts in das Erdgeschoss, um einem Kind im Rollstuhl das Dabeisein zu ermöglichen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es jedoch an qualifiziertem Personal und finanziellen Mitteln fehlt, um Inklusion zu realisieren. Die erfolgreich verlaufenden Beispiele sind in hohem Maße auf weitreichendes Engagement von Lehrkräften zurückzuführen, welches auf keinen Fall als selbstverständlich angesehen werden sollte.

Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe muss nicht selten auf dem Rechtsweg erstritten werden. Eine Mutter berichtete von einem langen Klageweg, bis ihr Sohn, unterstützt von Schulbegleitung und medizinischer Betreuung, eine Regelschule besuchen konnte. Eine Leistung, die ihm laut Gesetz zusteht, aber vom Leistungsträger nicht gewährt wurde.

Im Ergebnis der gestrigen Diskussionsrunde fordert der Paritätische, dass im Landeshaushalt genügend Mittel eingestellt und die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um den Förderbedarf von Kindern mit Behinderung in Regelschulen decken zu können. Es braucht eine klare Haltung für Inklusion, spezifische Qualifizierung des Personals an den Regelschulen, Förderschullehrer*innen, die dort Hand in Hand mit den Lehrer*innen arbeiten, pädagogische Mitarbeiter*innen, Schulbegleiter*innen und wo erforderlich auch medizinische bzw. pflegerische Unterstützung während der Schulzeit.

„In der UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahre 2008 wurde das Recht auf Inklusion festgeschrieben und konkrete Ziele und Maßnahmen formuliert. Inklusion betrifft jedoch nicht nur Kinder und Menschen mit Behinderung. Es geht darum, Teilhabe für alle Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen www.mensch-du-hast-recht.de
Im 70. Jahr der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte muss das Recht auf Teilhabe in Sachsen-Anhalt endlich verwirklicht werden. Deshalb fordern wir die Landespolitiker*innen auf, die entsprechenden Mittel bereitzustellen, um ein gemeinsames Aufwachsen und Lernen für alle Kinder zu ermöglichen.

Die Volksstimme Magdeburg und der regionale Sender MDF 1 (ab Minute 9:30) berichteten über die Aktion. www.mdf1.de

Der Paritätische Sachsen-Anhalt, Regionalstelle Mitte-West, hat diese Veranstaltung in Kooperation mit der Landeshauptstadt Magdeburg, dem Allgemeinen Behindertenverband im Land Sachsen-Anhalt e.V. (ABISA), dem Verein Weg e.V., Via Creare gGmbH, dem Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen-Anhalt e.V., Lebenshilfe Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. und Aktion Musik e.V. durchgeführt.