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Kinderschutz braucht nicht nur Gesetze – vor allem braucht er Engagement - Tagungsbericht "Sozialraum - Schutzgebiet Kind"


Das Wohl von Kindern zu schützen ist keine neue Aufgabe und in den Landkreisen gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten für Kinder und Familien in problematischen Lebenslagen. Trotzdem werden immer wieder Fälle von Vernachlässigung oder Misshandlungen von Kindern festgestellt.


Der PARITÄTISCHE hat sich mit der Tagung „Sozialraum – Schutzgebiet Kind“ am 26. Mai 2010 dem Thema Kindeswohl gewidmet und folgende Fragen standen im Mittelpunkt der Vorträge und Gesprächsforen:

  • Wie kann das neue Gesetz zum Kinderschutz die Situation von Kindern in Sachsen-Anhalt verbessern?
  • Wie können MitarbeiterInnen künftig gemeinsam handeln?
  • Wie kann Kooperation und Netzwerkarbeit gelingen?
  • Wie können Kinder- und Jugendarbeit, Kita´s, Bildung, Medizin, Gericht und Polizei zusammenwirken, um Eltern frühzeitig zu unterstützen und Kindeswohlgefährdung abzuwenden?

70 Fachleute aus den oben genannten Bereichen nahmen an der Tagung in der Hochschule Harz in Wernigerode teil. Prof. Dr. Bussmann, Martin-Luther-Universität Halle/ Wittenberg begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass die Familie in der Forschung als „Schlachtfeld“ gilt und besonders Frauen und Kinder nirgendwo soviel Gewalt erfahren, wie in der Familie. Die Familie prägt doppelt, denn Menschen, die Gewalt in der Familie erfahren haben, üben mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Gewalt aus. Er bestätigte anhand seiner Studien, dass das Rechtsbewusstsein der Menschen durch das Vorhandensein von Gesetzen positiv beeinflusst wird. Er beantwortete unsere an ihn gestellte Frage „Braucht Prävention Gesetze?“ anhand seiner Forschungsergebnisse eindeutig mit „Ja“.


Kindeswohl Publikum


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 










Fachleute aus dem Landkreis Harz und anderen Landkreisen haben sich eingefunden
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Carmen Werner, Jugendamtsleiterin des Landkreis Harz, berichtete, dass der Kinderschutz seit Einführung des § 8a Schutzauftrag  Kindeswohl im Kinder- und Jugendhilfegesetz stärker im Blickwinkel ist. Es sei aber unumgänglich, dass alle Systeme Bereitschaft zur Kooperation entwickeln müssten. Hier zählen neben Kinderklinik, Erziehungshilfe, Schwangeren- und Suchtberatung vor allem auch niedergelassene Ärzte und Schulen sowie Schulverwaltung dazu. Mit dem Netzwerk Kindeswohl Halberstadt haben Interessierte bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes zusammengefunden, sich zur Kooperation bekannt und kennen inzwischen die Kompetenz, den gesetzlichen Auftrag und die Möglichkeiten des jeweilig anderen Netzwerkpartners. Nun sei es an der Zeit, Vereinbarungen zu treffen.

Kindeswohl Büchertisch






















Büchertisch zum Thema


Frau Ilona Oesterhaus, Zentrum für Frühe Hilfen beim Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, stellte das Kinderschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt ausführlich vor und erläuterte, dass im Expertenrat „Allianz für Kinder“ künftig die Entwicklung regionaler Netzwerke beraten werden. Darüber hinaus will man über das Zentrum für frühe Hilfen Qualitätsmanagement um Kinderschutz weiter entwickeln. Sie dankte dem PARITÄTISCHEN außerordentlich für die Initiative zu dieser Tagung.


Kurt Thünemann, Win2Win gGmbH Oldenburg, traf mit seinem lebhaften und interessanten Vortrag ebenso den Nerv der Zuhörer. Er bestätigte die Wichtigkeit von Gesetzen zum Kinderschutz. Er forderte die ZuhörerInnen aber auch auf, Überlegungen bei der Netzwerkgründung anzustellen: Was kann ich? Mit wem lohnt Kooperation? Welche anderen Professionen holen wir in´s Netzwerk, um multiprofessionell arbeiten zu können? Zum Umgang mit süchtigen Klienten empfahl er Ablaufpläne und Behandlungsvereinbarungen in Zeiten des „unaufgeregten“ guten Miteinanders zu entwickeln, auch gemeinsam mit KlientInnen, um im Fall der Eskalation darauf zurück greifen zu können. Suchtkranke und Substituierte sind durchaus in der Lage ihre Kinder zu versorgen, aber häufig bedarf es Unterstützung, Begleitung und Förderung.
Netzwerkarbeit kann nur erfolgreich sein, wenn jede PartnerIn einen Vorteil für ihre/seine Arbeit sieht und kann durchaus zeitlich befristet werden. Eine wichtige Aufgabe der Netzwerkarbeit ist die Durchführung von Schulungen und Tagungen, um auch andere Kindeswohl-Beteiligte zu informieren und zu sensibilisieren.


Kindeswohl Forum





















In Gesprächsforen erläuterten die Akteure des Netzwerkes Kindeswohl Halberstadt ihre Beweggründe zur Mitarbeit und zum Nutzen für den Kinderschutz
(v.l.n.r. Moderator Siegfried Hutsch, Dr. med. Matthias Schmidt und Dr. med. Christiane  Wörle, Frau-Mutter-Kind-Zentrum  AMEOS Klinikum St. Salvator Halberstadt, Richterin Gabriele Bunzendahl, Amtsgericht Halberstadt)



In den Gesprächsforen standen die Akteure des bereits bestehenden Netzwerks Kindeswohl Halberstadt Rede und Antwort. Jeder sprach aus seiner Sicht und aus seiner professionellen Haltung über den Nutzen des Netzwerkes. Richterin Gabriele Bunzendahl erhofft sich von der Mitarbeit im Netzwerk u.a. die Chance, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Herausnahme eines Kindes aus der Familie zu verhindern. Die anwesenden MedizinerInnen Oberärztin Dr. med. Christiane Wörle, Kinder- und Jugendmedizin Ameos Klinikum St. Salvator Halberstadt und Chefarzt CA Dr. med. Matthias Schmidt, Gynäkologie im gleichen Haus, bestätigten, dass durch das Netzwerk ein Kennlernen und eine Zusammenarbeit mit den anderen Professionen außerhalb des medizinischen Systems möglich werden. So können gemeinsam Strategien und Lösungswege entwickelt werden. Das bestätigte auch Jana Peter von der Polizeidirektion Halberstadt, die eine Mitwirkung der Polizei als Prävention betrachtet.  Die Familienhebamme Sabine Hopp brachte es auf den Punkt, indem sie sagte, dass  das Netzwerk ihre eigentliche Arbeit erleichtere. Die Vertreterin der Jugendhilfe Uta Pfaff, Geschäftsführerin des ASB Regionalverband Halberstadt/Wernigerode e.V., bestätigte, dass das Erkennen der eigenen Möglichkeiten und Grenzen sowie das Wissen um die Kompetenz der Netzwerkpartner Sicherheit im Handeln zum Wohle von Kindern geben.


Einen herzlichen Dank allen ReferentInnen, den AkteurInnen des Netzwerkes Kindeswohl Halberstadt, den KollegInnen der Fachhochschule Harz und dem Team der Regionalstelle Mitte für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Tagung.


Bei Rückfragen stehen Ihnen Gabriele Haberland und Siegfried Hutsch zur Verfügung. (Tel. 03473 92980 bzw. 0391 6293335)

Die Powerpoint-Präsentationen der ReferentInnen können Sie als pdf-Datei einsehen.


Gabriele Haberland
Regionalleiterin Mitte

Vortrag Prof. Bussmann
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Vortrag Ilona Oesterhaus
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Präsentation Kurt Thünemann
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Der PARITÄTISCHE Sachsen-Anhalt