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Abschlussbericht Runder Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ liegt vor

Vor dem Hintergrund der 2010 bekannt gewordenen zahlreichen Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs beschloss die Bundesregierung am 24. März 2010 die Einrichtung eines Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“. Der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ untersteht dem gemeinsamen Vorsitz der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundesministerin für Justiz und der Bundesministerin für Bildung und Forschung.

Nach einjähriger Arbeit legt die unabhängige Beauftragte des Runden Tisches, Fr. Dr. Christine Bergmann, einen Abschlussbericht vor. Der Runde Tisch „Sexueller Kindermißbrauch“ hat die gleichen Grundsätze in der Aufarbeitung verfolgt, wie der Runde Tisch Heimerziehung der 50er und 60er Jahre und  Betroffene als Expertinnen und Experten und verschiedene Professionen und Fachdienste gehört. Zeitgleich wurde eine Anlaufstelle sexueller Mißbrauch eingerichtet, in der mehr als 13.000 Anrufe und über 2000 Briefe eingegangen sind. Betroffene sowie Täterinnen und Täter haben sich gemeldet. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung konnten fast 2500 Telefonate und Briefe ausgewertet werden. Daraus ist zu entnehmen, dass 52% Missbrauchsfälle im familiären Umfeld, 32% in Institutionen, 9% im sozialen Umfeld und 7% Fremdtäterinnen und Fremdtäter waren. Die überwiegende Zahl der Opfer war im Alter von 7 bis 12 Jahre. Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit kirchlichen Einrichtungen (63% von den Meldungen im institutionellen Spektrum) wurden überwiegend in katholischen Einrichtungen registriert.

Die Folgen des Missbrauches, die erforderliche professionelle Arbeit und Aufarbeitungsmöglichkeiten werden im Abschlussbericht ausführlich dargestellt. Aus den gewonnen Erkenntnissen werden Forderungen und Arbeitsschwerpunkte in der Netzwerkarbeit der professionellen Akteure, der Einrichtung von unabhängigen Anlaufstellen für Kinder und Jugendiche, die grundsätzliche Pflicht zur Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses für Ehrenamtliche, öffentlich zugängliche Informationen zum Thema sexueller Kindesmissbrauch, bundesweit vernetztes kooperierendes Helfersystem, Rechtsanspruch auf Beratung für Betroffene, Verlängerung bzw. Aufhebung von Verjährungsfristen im Zivil- und im Strafrecht, Anerkennung des erlittenen Unrechts usw.,abgeleitet, die zum Teil schon in der Praxis Anwendung finden bzw. weiter umgesetzt werden müssen. 

Insbesondere hebt der Bericht die Unterstützung von „Betroffenen Initiativen“  als präventive Wirkung hervor. Darüber hinaus sieht der Bericht einen besonderen Handlungsbedarf bei Betroffenen aus der Heimerziehung der ehemaligen DDR. Die Erfahrungsberichte der Betroffenen haben gezeigt, dass die Heimerziehung der DDR unter dieser Perspektive eine eigene Aufarbeitung und Herangehensweise bedarf.

Wie oben bereits beschrieben, sind einige Empfehlungen bereits in der Praxis relevant. Hierzu sind die Verfahrenswege zur Meldung nach § 8a Schutzauftrag Kindeswohlgefährdung, die Empfehlungen zu § 30a BZRG „Erweitertes Führungszeugniss und die vom PARITÄTISCHEN Gesamtverband aufbereitete Arbeitshilfe „Schutz vor sexualisierter Gewalt in Diensten und Einrichtungen“, die über die Geschäftsstelle in Umlauf gebracht wurde.

Der ausführliche Abschlussbericht und die Zusammenfassung können unter http://www.rundertisch-kindesmissbrauch.de als Download abgerufen werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich an:

Siegfried Hutsch
Grundsatzreferent Kinder- und Jugendhilfe
Tel: 0391/6293-335
E-Mail: shutsch@mdlv.paritaet.org